Warme Herbsttage und strahlender Sonnenschein – bessere Voraussetzungen für eine Radtour kann man sich kaum wünschen. Meine Route führte von Hameln durch das Weserbergland, vorbei an Schlössern und stillen Waldwegen, über Detmold bis nach Gütersloh. In zwei entspannten Tagesetappen gab es reichlich Zeit für Besichtigungen, Einkehr und das Genießen der abwechslungsreichen Landschaft.
Hameln – Fachwerkidylle und der Rattenfänger
Die Anreise mit der Bahn verlief reibungslos. Wer Hameln noch nicht kennt, sollte sich vor dem ersten Radeltag unbedingt Zeit für einen ausführlichen Stadbummel nehmen.
Die Bauten der Weser-Renaissance – allen voran das Hochzeitshaus und das Rattenfängerhaus – beeindrucken durch ihre reiche Ornamentik und die Altstadtgassen sind gesäumt von prachtvollen Fachwerkfassaden. Auf Schritt und Tritt begegnet man hier der berühmten Rattenfänger-Sage.
Sie ist eine der bekanntesten deutschen Sagen und beruht auf einer schriftlichen Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert. Vor einigen hundert Jahren wurde die Stadt Hameln von einer großen Rattenplage heimgesucht. Ein fremder Mann, der als Landfahrer in die Stadt kam, versprach den Bürgern, sie von dieser Plage zu befreien. Eine großzügige Belohnung wurde ihm zugesagt.
Er ging daraufhin mit seiner Pfeife durch die Stadt und aus sämtlichen Häusern kamen die Ratten und liefen ihm hinterher. Die Stadt war von der Rattenplage befreit. Als er dann den ihm zugesagten Lohn einforderte, wurde ihm dieser verweigert.
Aus Rache kam der Mann später erneut in die Stadt, lief durch die Straßen, und viele Kinder folgten ihm. Er führte die Kinder heraus aus der Stadt, sie liefen auf einen Berg zu. Der Berg öffnete sich, und der Mann verschwand mit den Kindern im Berg und sie wurden nie wieder gesehen.
Am Hochzeitshaus lässt sich die Sage zweimal täglich beim Figuren- und Glockenspiel erleben.
Tag 1: Am Weserradweg entlang nach Bad Pyrmont
Die erste Etappe beginnt direkt am Flussufer: Der Weserradweg begleitet die Route flussabwärts, bevor sie durch waldige Passagen mit spürbaren Steigungen nach Bad Pyrmont führt. Wahrzeichen der Kurstadt ist das malerisch auf einer Insel gelegene Schloss – ursprünglich im 16. Jahrhundert als Festung errichtet, im 18. Jahrhundert zur barocken Sommerresidenz der Grafen von Waldeck-Pyrmont umgebaut. Heute beherbergt es ein Museum, Teile der alten Wehranlagen sind ebenfalls noch zugänglich.
Als ältester Kurpark Deutschlands ist Bad Pyrmonts Kurpark bereits für sich ein Ausflugsziel. Besonders beeindruckend: der mediterrane Palmengarten mit über 500 Kübelpflanzen und Palmen, die bis zu elf Meter in die Höhe ragen. Das Caféhaus im Schloss bietet von seiner Terrasse aus den einen schönen Blick auf dieses außergewöhnliche Ensemble – eine willkommene erste Rast..
Weiter geht es auf ruhigen Straßen und einsamen Waldwegen zum Schiedersee am Rand des Teutoburger Waldes. Der ehemalige Stausee ist vor allem im Sommer ein lebhaftes Naherholungsgebiet mit Restaurants, Cafés, Kinderfreizeitpark, Strandbad und einem bunten Veranstaltungskalender.
Blomberg – Fachwerk und Zukunftstechnologie
Das beschauliche Städtchen Blomberg überrascht mit einem interessanten Kontrast: Mittelalterliche Fachwerkbauten prägen das Ortsbild, während gleich nebenan der beeindruckende All Electric Society Park von Phoenix Contact zeigt, wie regenerative Energien gewonnen, gespeichert und verteilt werden können.
Detmold – Residenzstadt mit Kulturleben
Nach einigen kräftigen Anstiegen erreicht man am Nachmittag Detmold – noch genug Zeit für einen ausgiebigen Stadtbummel.
Das Fürstliche Residenzschloss in der Weser-Renaissance-Tradition dominiert das Stadtbild; beim Besuch war der Zugang wegen Bauarbeiten leider gesperrt. Durch den Bauzaun konnte man einen Blick auf die Fassade werfen.
Kulturell hat Detmold einiges zu bieten: Die renommierte Hochschule für Musik fördert Spitzenbegabungen und bespielt einen bemerkenswert vielseitigen Konzertkalender.
Das Landestheater – 1825 als Hoftheater eröffnet und heute das größte der vier Landestheater in NRW – absolviert rund 600 Vorstellungen pro Spielzeit. Das Lippische Landesmuseum rundet das Angebot mit Sammlungen zu Kunst, Kultur und Naturgeschichte ab.
Tag 2: Durch die Dörenschlucht und den Holter Wald
Am zweiten Morgen führt die Route über die letzten Höhenzüge des Teutoburger Waldes – die Dörenschlucht macht dies dank moderater Steigungen gut machbar.
Durch Wald- und Wiesenwege gelangt man zum barocken Wasserschloss Schloß Holte aus dem 17. Jahrhundert, das bis heute in Privatbesitz ist und von außen betrachtet werden kann.
Der Abschluss durch das Naturschutzgebiet Holter Wald ist ein schöner Ausklang: ruhige Waldwege, kein Verkehr, pure Natur – und dann ist Gütersloh schon zum Greifen nah.
Fazit: Eine entspannte Route für Radler mit Sinn für Geschichte
Die Radtour von Hameln über Detmold nach Gütersloh verbindet historische Orte mit abwechslungsreicher Landschaft. Als Zweitages-Tour gut zu bewältigen, lässt sie genügend Zeit zum Verweilen, Entdecken und Einkehren – eine Empfehlung für alle, die Weserbergland und Teutoburger Wald auf dem Sattel kennenlernen möchten.
Weitere Informationen:
Schiedersee: Freizeit, Feier, Vergnügen
Detmold – Kulturstadt im Teutoburger Wald
Informationen zur Route:































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