Die Eisheiligen im Rahmen des Klimawandels

Im Rah­men des Kli­ma­wan­dels wird der Win­ter gefühl­ter­ma­ßen immer kür­zer. Früh­blü­her öff­nen ihre Blü­ten deut­lich frü­her als noch vor eini­gen Jahr­zehn­ten, und Heu­schnup­fen-Geplagte bemer­ken ihre Sym­ptome zuneh­mend schon im Februar. Da liegt die Frage nahe: Haben die Eis­hei­li­gen ange­sichts des Kli­ma­wan­dels noch eine Bedeu­tung für unsere Gär­ten?

Früher Frühling: Was die Zeigerpflanzen verraten

Die ver­än­der­ten Blüh­zei­ten kann man leicht nach­voll­zie­hen, wenn man die sog, Zei­ger­pflan­zen, die den Beginn einer Jah­res­zeit anzei­gen, beob­ach­tet. Sol­che Zei­ger­pflan­zen für das Früh­jahr sind die Schnee­glöck­chen­blüte, die Sal­wei­den­blüte und die Apfel­blüte. Im Ver­gleich zu frü­he­ren Jahr­zehn­ten blü­hen sie inzwi­schen um ein bis zwei Wochen frü­her.

Wer oder was sind die Eisheiligen eigentlich?

Die Eis­hei­li­gen sind eine alte Bau­ern­re­gel, die die Zeit um Mitte Mai beschreibt – eine Peri­ode, in der nach der Erfah­rung vie­ler Gene­ra­tio­nen noch ein­mal emp­find­li­che Käl­te­ein­brü­che dro­hen. Ihren Namen ver­dan­ken sie katho­li­schen Bischö­fen und Mär­ty­rern, deren Gedenk­tage in die­sen Zeit­raum fal­len:

  • Mamer­tus (5. Jhd.), Erz­bi­schof von Vienne – 11. Mai
  • Pan­kra­tius (3./4. Jhd.), Mär­ty­rer – 12. Mai
  • Ser­va­tius (4. Jhd.), Bischof von Ton­ge­ren – 13. Mai
  • Boni­fa­tius (3./4. Jhd.), Mär­ty­rer – 14. Mai
  • Sophia (3./4. Jhd.), Mär­ty­re­rin – 15. Mai

Aus die­ser Regel sind im Laufe der Zeit viele Sprich­wör­ter zur Wetz­ter­vor­her­sage ent­stan­den:

Mam­erz hat ein kal­tes Herz.

Pan­kraz, Ser­vaz, Boni­faz
machen erst dem Som­mer Platz.

Die Kalte Sophie macht alles hie.

Das Phä­no­men ist übri­gens nicht auf Deutsch­land beschränkt: In Frank­reich spricht man von den „Saints de glacé“, in Polen „Zimni ogrod­nicy“, in Ita­lien ”Santi di ghi­ac­cio” und in Eng­land „Ice Saints“.

Die alte Bau­ern­re­gel ist in der Zeit vor der Kalen­der­re­form im Jahr 1582 ent­stan­den. Damals wurde der julia­ni­sche durch den gre­go­ria­ni­schen Kalen­der abge­löst. Grund für die Kalen­der­re­form war u.a. das im Ver­gleich zum Son­nen­jahr zu lange julia­ni­sche Kalen­der­jahr. Sie brachte einen Kür­zung des Kalen­ders um 10 Tage mit sich. Die Ter­mine der Eis­hei­li­gen wur­den aller­dings nicht kor­ri­giert und hät­ten nach der Umstel­lung eigent­lich auf die Zeit zwi­schen dem 21. und 25. Mai datiert wer­den müs­sen.

Was sagt die Wissenschaft zu den Eisheiligen?

Die Daten­lage zu die­sem Phä­no­men ist wider­sprüch­lich. Eine Sta­tis­tik, die die letz­ten 100 Jahre berück­sich­tigt, ergibt eine Wahr­schein­lich­keit von 39% für Tem­pe­ra­tu­ren um 10°C im Zeit­raum der Eis­hei­li­gen. Eine andere Sta­tis­tik beschreibt einen kur­zen Tem­pe­ra­tur­rück­gang in der Zeit um den 22. Mai.

Klar ist aber: Nach Anga­ben des deut­schen Wet­ter­diens­tes sind sol­che Kalt­luft­pha­sen in den letz­ten Jah­ren sel­te­ner gewor­den, wäh­rend sie im 19. oder 20. Jahr­hun­dert noch häu­fi­ger regis­triert wur­den. Aber auch bis zum Juni kann es noch ein­mal zu Käl­te­ein­brü­chen kom­men, die unter dem Namen Schafs­kälte bekannt sind.

Tritt ein Käl­te­ein­bruch auf, ver­läuft er mit einem deut­li­chen Nord-Süd-Gefälle: Er star­tet im Nor­den und erreicht den Süden einige Tage spä­ter.

Der meteorologische Hintergrund

Die Meteo­ro­lo­gen bezeich­nen die­ses Phä­no­men als „Sin­gu­la­ri­tät” – eine sta­tis­tisch wie­der­keh­rende Wet­ter­lage. Bekannte Sin­gu­la­ri­tä­ten in Mit­tel­eu­ropa sind zum Bei­spiel die Eis­hei­li­gen, die Schafs­kälte, die Hunds­tage und der Alt­wei­ber­som­mer.

Bei den Eis­hei­li­gen wer­den durch nörd­li­che Strö­mun­gen ark­ti­sche Polar­luft nach Mit­tel­eu­ropa trans­por­tie­ren. Typisch dafür ist ein Hoch­druck­ge­biet über den Bri­ti­schen Inseln kom­bi­niert mit einem Tief über Skan­di­na­vien. Die dar­aus resul­tie­rende Nord-Süd-Strö­mung kann bin­nen weni­ger Tage zu einem spür­ba­ren Tem­pe­ra­tur­sturz füh­ren.

Praktische Konsequenzen für den Garten

Viele Gärt­ne­rin­nen und Gärt­ner hal­ten bis heute an der alten Bau­ern­re­gel fest und set­zen frost­emp­find­li­che Pflan­zen erst nach Mitte Mai ins Frei­land. Das ist gar nicht so unver­nünf­tig – aller­dings bie­ten moderne Wet­ter­vor­her­sa­gen heute eine deut­lich zuver­läs­si­gere Grund­lage. Tages­pro­gno­sen errei­chen inzwi­schen eine Tref­fer­quote von rund 90 % und im Zeit­raum von einer Woche kann man sich auf die Pro­gno­sen eini­ger­ma­ßen ver­las­sen. Gründe hier­für sind die Wet­te­r­erfas­sung durch Satel­li­ten, eine Viel­zahl von erd­ge­bun­de­nen Mess­stel­len, ver­bes­serte Wet­ter­mo­delle und leis­tungs­fä­hi­gere Com­pu­ter.

Sinn­vol­ler als das sture Abwar­ten bis zum 15. Mai ist es daher, die Wet­ter­vor­her­sage im Auge zu behal­ten und frost­emp­find­li­che Pflan­zen erst dann ins Frei­land zu set­zen, wenn kein Käl­te­ein­bruch mehr zu erwar­ten ist. Denn an der grund­sätz­li­chen Wahr­schein­lich­keit sol­cher Tem­pe­ra­tur­schwan­kun­gen hat auch der Kli­ma­wan­del wenig geän­dert.

Voranzucht: Frostempfindliche Pflanzen richtig starten

Anzucht im Frühbeet
Voranzucht im Haus

Frost­un­emp­find­li­che Pflan­zen wie z.B. Zwie­beln, Erb­sen, Man­gold oder rote Beete kön­nen bereits im April an Ort und Stelle gesät wer­den. Paprika, Toma­ten, Gur­ken, Zuc­chini und Kür­bisse dage­gen reagie­ren emp­find­lich auf Frost und soll­ten des­halb zunächst im Haus, im Gewächs­haus oder im Früh­beet vor­ge­zo­gen wer­den. An war­men Tagen kön­nen sie stun­den­weise ins Freie – das här­tet die Jung­pflan­zen ab. Über Nacht soll­ten sie, wenn Frost ange­sagt wird, jedoch unbe­dingt wie­der ins Warme.

Gibt der Wet­ter­be­richt nach Mitte Mai grü­nes Licht, steht dem Umzug ins Frei­land nichts mehr im Weg – und die Gemü­se­sai­son kann so rich­tig begin­nen.

Weitere Informationen:

Eis­hei­lige: Was ist dran an der Bau­ern­re­gel – und wann gibt es den letz­ten Frost?

Eis­hei­lige und Schafs­kälte

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