Eifel erleben: Vulkane, Fachwerk und Familiengeschichte

Durch meine Fami­li­en­for­schung weiß ich, dass meine Fami­lie aus der Eifel stammt und dort nach­weis­lich ab dem 16. Jahr­hun­dert gelebt hat. Anfang Sep­tem­ber haben wir das ange­kün­digte schöne Wet­ter genutzt, um zum ers­ten Mal in unse­rem Leben in die Eifel zu fah­ren. An einem ver­län­ger­ten Wochen­ende konn­ten wir einige inter­es­sante Orte besu­chen und bezüg­lich der Fami­li­en­for­schung gab es Neues zu ent­de­cken.

Laacher See: Kratersee in der Vulkaneifel

Unsere Tour begann in der Vul­kan­ei­fel. Vul­ka­ni­sche Akti­vi­tät gibt es hier seit rund 50 Mil­lio­nen Jah­ren und sie hält bis in die Gegen­wart an. Durch Vul­kan­aus­brü­che sind die Maare ent­stan­den: Die zurück­ge­blie­be­nen Kra­ter haben sich im Lauf der Zeit mit Was­ser gefüllt und oft kreis­runde Seen gebil­det.

Der Laa­cher See ist ein sol­cher Kra­ter­see. Mit rund 3,3 km² Flä­che und über 50 Metern Was­ser­tiefe ist er der größte See in Rhein­land-Pfalz und etwa 13.000 Jahre alt. Der Vul­kan gilt als ruhend, ein erneu­ter Aus­bruch ist aber durch­aus mög­lich. An eini­gen Stel­len tre­ten am Ufer Gase aus, sicht­bar als Bläs­chen im Was­ser – ein Zei­chen für die fort­be­stehende vul­ka­ni­sche Akti­vi­tät im Unter­grund des Sees.

Bootssteg am Laacher See in der Eifel
Ausblick auf den Laacher See vom Wanderweg aus

Der See gehört zur Bene­dik­ti­ner­ab­tei Maria Laach. Vom Klos­ter­park­platz aus sind wir den 8,4 km lan­gen Ufer­rund­weg um den See gewan­dert. Immer wie­der bie­ten sich schöne Aus­bli­cke auf das Was­ser. An eini­gen Stel­len fin­den sich Abla­ge­run­gen und Fels­bro­cken als Über­reste der erstarr­ten Lava.

Seeblick von einem kleinen Rastplatz aus
Felsbrocken als Relikte der Lavaströme

Das Kloster Maria Laach

Danach haben wir uns im modern gestal­te­ten Klos­ter­café bei Kaf­fee und Kuchen von der Tour erholt. Die 1093 gegrün­dete Bene­dik­ti­ner­ab­tei ist ein belieb­tes Aus­flugs­ziel in der Eifel. Gestif­tet wurde sie vom Pfalz­gra­fen Hein­rich II. von Laach und sei­ner Frau Adel­heid. Ihre Geschichte war wech­sel­voll: 1127 wurde die Abtei selb­stän­dig, 1802 im Zuge der Säku­la­ri­sa­tion von der fran­zö­si­schen Ver­wal­tung auf­ge­löst. Ab 1863 war das Klos­ter in der Hand der Jesui­ten, seit 1892 leben wie­der Bene­dik­ti­ner dort.

Klosterkirche Maria Laach - beliebtes Ausflugsziel in der Eifel
Blick in den reich verzierten Chor der Klosterkirche

Die Abtei­kir­che gehört mit ihren sechs Tür­men zu den bedeu­tends­ten roma­ni­schen Kir­chen im Rhein­land. In den Innen­raum gelangt man über die Vor­halle, das soge­nannte Para­dies. Beim Betre­ten fällt sofort das große Mosa­ik­bild im Chor­raum auf, das Chris­tus als Welterlö­ser dar­stellt. Der Altar steht unter einem Bal­da­chin aus dem Jahr 1256, der von sechs Säu­len getra­gen wird.

Blick von der Gärtnerei auf die Kirche
zahlreiche Pflanzen auf den Pflanztischen in der Gärtnerei

Zum Klos­ter gehö­ren zehn Betriebe mit bis zu 220 Ange­stell­ten, dar­un­ter die Buch- und Kunst­hand­lung, der Klos­ter­ver­lag, die Kunst­schmiede, die Kera­mik­ma­nu­fak­tur und die Gärt­ne­rei. Beson­ders beein­druckt hat mich die Stau­den­gärt­ne­rei mit ihrem reich­hal­ti­gen Ange­bot. Auf einen Ein­kauf, der sicher grö­ßer aus­ge­fal­len wäre, musste ich lei­der ver­zich­ten: In unse­rem Auto war nicht genug Platz und die Pflan­zen hät­ten den Trans­port viel­leicht nicht über­lebt. Schade!

Der Kaltwassergeysir bei Andernach

Blick von der Fähre auf das Ufer und die Weinberge
Das Flussbett des Rheins mit extrem niedrigen Wasserstand
Ausbruch des Geysirs mit hoher Wasserfontäne

Der Gey­sir (frü­her „Name­dyer Spru­del“) ist der höchste Kalt­was­ser­gey­sir der Welt. Seine Fon­täne reicht etwa 50 bis 60 m hoch. Er liegt auf der Halb­in­sel Name­dyer Werth im Rhein, einem Natur­schutz­ge­biet, das nur per Schiff zugäng­lich ist. Bei der Über­fahrt zeigte sich der extrem nied­rige Was­ser­stand des Rheins als Folge des extrem hei­ßen und tro­cke­nen Som­mers. Zwei Wochen vor unse­rer Reise war noch nicht klar, ob der Fähr­be­trieb statt­fin­den konnte.

Wie er funktioniert

Der Kalt­was­ser­gey­sir wird durch Koh­len­di­oxid ange­trie­ben, das in einem Mag­ma­vor­kom­men unter der Ost­ei­fel gespei­chert ist. Ursprüng­lich war er ein Bohr­brun­nen, der zur Gewin­nung von koh­len­säu­re­hal­ti­gem Was­ser ange­legt wurde. Wegen der Gey­siraus­brü­che konnte die För­de­rung aller­dings nicht auf­ge­nom­men wer­den.

Das koh­len­säu­re­hal­tige Was­ser steigt durch die Boh­rung an die Ober­flä­che, wobei der Druck kon­ti­nu­ier­lich abnimmt. Ähn­lich wie beim Öff­nen einer Mine­ral­was­ser­fla­sche wird durch den Druck­ab­fall Koh­len­di­oxid frei, das den Gey­sir antreibt.

Die Aus­brü­che kom­men etwa alle 100 bis 120 Minu­ten. Sie kün­di­gen sich durch zischende und rum­pelnde Geräu­sche an, danach baut sich die Fon­täne ste­tig auf, und die Erup­tion dau­ert einige Minu­ten. Den Anwei­sun­gen des Gui­des sollte man fol­gen, nicht zu nahe an den Gey­sir her­an­tre­ten und die Wind­rich­tung beach­ten – sonst kann es sehr feucht wer­den. Danach geht es mit der Fähre zurück.

Bei der Anreise sollte man Zeit ein­pla­nen, um vor der Schiffs­fahrt das Gey­sir-Museum besich­ti­gen zu kön­nen. Dort erfährt man viel über die geo­lo­gi­schen Struk­tu­ren der Gegend und das Ent­ste­hen und die Funk­ti­ons­weise des Gey­sirs.

Monreal: Fachwerkperle der Eifel

Ruine der Löwenburg
Fachwerkhaus mit Burgruine im Hintergrund
Die Katholische Pfarrkirche Kreuzerhöhung

Mon­real liegt im Elz­bach­tal im Land­kreis Mayen-Koblenz und wird als „Fach­werk­perle der Eifel“ bezeich­net. Der Ort wurde 1229 erst­mals urkund­lich erwähnt. Den klei­nen Orts­kern prä­gen zahl­rei­che gut erhal­tene Fach­werk­häu­ser. Die katho­li­sche Pfarr­kir­che Kreuz­erhö­hung (Drei­fal­tig­keits­kir­che) liegt direkt über dem Elz­bach. Von außen ist sie ein unver­putz­ter Bruch­stein­bau, das Innere der klei­nen, ein­schif­fi­gen Kir­che schmückt ein schö­ner neo­go­ti­scher Hoch­al­tar. In Mon­real beginnt die Schluss­etappe auf dem Eife­ler Jakobs­weg; den Stem­pel für den Pil­ger­aus­weis gibt es in der Kir­che.

Innenraum der Kirche mit Blick in den Chor
Kanaldeckel mit dem Zeichen des Jakobwegs in der Eifel
Cafe Plüsch in Monreal

Über dem Ort thro­nen die Rui­nen der Löwen­burg und der klei­ne­ren Phil­ipps­burg aus dem 13. Jahr­hun­dert. Wir waren an einem Spät­nach­mit­tag dort, und die Fahrt hat sich gelohnt. Aller­dings hat­ten in dem ver­schla­fe­nen klei­nen Ort ab 17.00 Uhr viele Geschäfte und Cafés bereits geschlos­sen.

Die Sandkaul-Höhlen bei Ettringen

Blick in eine der Sandkaulhöhle
Höhleneingänge vom Parkplatz aus gesehen
Blick aus einer der Höhlen ins Freie

Direkt an der Land­straße bei Ettrin­gen haben wir die Sand­kaul-Höh­len ent­deckt. Die Sand­kaul ist ein ehe­ma­li­ges Abbau­ge­biet für vul­ka­ni­sches Gestein am Rand des Hoch­stein-Vul­kans. Die Höh­len sind von Men­schen geschaf­fen. Sie wur­den im Zwei­ten Welt­krieg als Schutz vor Luft­an­grif­fen in den vul­ka­ni­schen Fels getrie­ben. Die Höh­len rei­chen nicht sehr tief in den Fels hin­ein und an man­chen Stel­len muss man den Kopf ein­zie­hen, um nicht anzu­sto­ßen.

Monschau: malerische Stadt an der Rur

Unser nächs­tes Ziel war Mon­schau, die male­ri­sche Stadt an der Rur. Sie liegt in der Nord­ei­fel, in der Städ­te­re­gion Aachen (NRW), direkt an der bel­gi­schen Grenze. An die­sem Tag fand ein Fes­ti­val der Viel­falt statt, und der Orts­kern war über­füllt. Erst nach einer Stunde hat­ten wir end­lich einen Park­platz gefun­den; der Park­platz­wäch­ter meinte, solch ein Andrang sei am Wochen­ende durch­aus nor­mal.

Fußgängerzone in Monschau gesäumt von Fachwerkhäusern
Blick auf die Rur. die durch die Stadt verläuft
Evangelische Stadtkirche Monschau

Die Rur fließt mit­ten durch den Ort und wird von zahl­rei­chen Brü­cken über­quert. Beson­ders ein­drucks­voll ist das Rote Haus, das der rei­che Tuch­ma­cher Johann Hein­rich Schei­b­ler 1760 errich­ten ließ und das heute ein Museum beher­bergt. Gleich nebenan liegt die Evan­ge­li­sche Stadt­kir­che, deren Neu­bau im 18. Jahr­hun­dert voll­endet wurde. Zur Kir­che führt die Evan­ge­li­sche Brü­cke mit einem schmie­de­ei­ser­nen Gelän­der.

Burg Monschau - Burghof mit der Jugendherberge
Das Rote Haus in Monschau
Blick von einer Rur-Brücke auf die Burgruine Haller

Über dem Ort thront die Burg Mon­schau aus dem 13./14. Jahr­hun­dert. Sie dient als Jugend­her­berge und im Som­mer als Frei­licht­bühne. Trep­pen füh­ren vom Ort hin­auf, und der Auf­stieg lohnt sich: Von oben hat man einen schö­nen Über­blick über die Stadt.

Die Bruder Klaus Feldkapelle bei Mechernich

Auf der Heim­reise haben wir noch einen Abste­cher zur Bru­der-Klaus-Kapelle in Wachen­dorf bei Mecher­nich unter­nom­men. Ent­wor­fen hat sie der Schwei­zer Archi­tekt Peter Zum­thor. Die Kapelle ist eine pri­vate Stif­tung und wurde mit gro­ßer Unter­stüt­zung von Frei­wil­li­gen und Hand­wer­kern aus der Region mög­lich.

Die Kapelle aus der Ferne inmitten der Ackerlandschaft
Der Eingang zur Kapelle
Baumstruktur der Wände im Eingang

Nähert man sich der Kapelle, sieht man zunächst nur einen schmuck­lo­sen Beton­turm am Weges­rand zwi­schen Äckern und Fel­dern. Beein­dru­ckend ist der schlichte Innen­raum. Beim Bau wur­den etwa 112 Fich­ten­stämme zelt­ar­tig auf­ge­stellt und von außen mit Beton bedeckt. Nach dem Aus­här­ten des Betons wurde der Innen­raum aus­ge­köh­lert, das heißt, die Baum­stämme wur­den ver­brannt, wodurch die gewellte, grau-bräun­li­che Struk­tur der Beton­wand sicht­bar wurde. In den Beton sind viele kleine Glas­öff­nun­gen ein­ge­las­sen, die im Innen­raum als Licht­punkte erschei­nen. Der Blick nach oben geht durch die offen gelas­sene Spitze der Kapelle direkt in den Him­mel.

Blick nach oben in der Kapelle mit Ausblick auf den freien Himmel
Kerzen vor der Betonwand
Ausblick aus der Kapelle

Die nach dem Ein­sied­ler und Frie­dens­hei­li­gen Niko­laus von Flüe benannte Kapelle ist ein ein­druck­vol­ler Raum, ein Ort für Stille, Gebet und Medi­ta­tion.

Und in Sachen Familienforschung:

Wir haben tat­säch­lich in dem klei­nen Ort Keh­rig das Geburts­haus mei­nes Groß­va­ters ent­deckt, ein klei­nes, ein­fa­ches Haus aus Schie­fer­bruch. Es wurde wahr­schein­lich im 18. Jahr­hun­dert errich­tet und hier haben über Jahr­hun­derte Groß­fa­mi­lien gewohnt; mein Groß­va­ter hatte sechs Geschwis­ter. Um 1900 war die Eifel eine der ärms­ten Regio­nen im Deut­schen Reich. Viele Men­schen ver­lie­ßen ihre Hei­mat, um anderswo Arbeit zu suchen. Meine Groß­vä­ter hat­ten damals keine andere Wahl und wan­der­ten ins Ruhr­ge­biet aus, wo durch die zuneh­mende Indus­tria­li­sie­rung Arbeits­kräfte gesucht wur­den.

Fazit

Die Eifel hat uns mit vie­len Ein­drü­cken über­rascht: ein Kra­ter­see, ein Gey­sir, Fach­werk und Bur­gen, dazu die stille Bru­der-Klaus-Kapelle. Am meis­ten bewegt hat mich aber das Geburts­haus mei­nes Groß­va­ters. Zum ers­ten Mal die Hei­mat mei­ner Vor­fah­ren zu sehen, hat die Namen und Jah­res­zah­len aus der Fami­li­en­for­schung greif­bar gemacht.

weitere Informationen:

Unter­wegs im Land der Maare und Vul­kane

Bru­der-Klaus-Kapelle in Mecher­nich-Wachen­dorf

His­to­ri­sche Alt­stadt Mon­schau

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