Seit einigen Jahren verwende ich in meinem Garten ausschließlich torffreie Erden. Anfangs war die Umstellung nicht ganz einfach. SIe erforderte anfangs etwas Eingewöhnung – doch wer die Eigenheiten dieser Erden kennt, kommt gut damit zurecht. Und man tut dabei noch etwas Gutes fürs Klima.
Warum Torf so lange Standard war und warum das ein Problem ist
Torf war jahrzehntelang ein beliebter Bestandteil vieler Blumenerden. Er stammt aus Mooren und hat viele Eigenschaften, die ihn als Bestandteil von Pflanz- und Blumenerden so wertvoll macht.
- hohe Wasserspeicherfähigkeit
- lockere, krümelige Struktur
- niedriger pH-Wert (ideal für viele Kulturpflanzen)
- relativ günstig in der Herstellung
Der Abbau von Torf hat gravierende ökologische Folgen. Torf entsteht über Jahrtausende aus abgestorbenen Pflanzenresten in Mooren. Diese Moore sind wichtige CO₂-Speicher: Sie binden weltweit mehr Kohlenstoff als alle Wälder zusammen. Wird Torf abgebaut, wird dieser gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt. – mit negativen Auswirkungen auf das Klima. Zusätzlich zerstört der Torfabbau wertvolle Lebensräume für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.
Deutschland ist nach Finnland der weltweit größte Torfproduzent. Als Folge davon sind In Deutschland über 90 % der Moore bereits entwässert oder zerstört. Es gibt also gute Gründe, konsequent auf torfhaltige Erden zu verzichten und sich nach Alternativen umzusehen.
Was steckt in torffreier Erde?
Hier liegt eines der größten Missverständnisse: Torffreie Erde ist keine minderwertige Notlösung, sondern ein durchdachtes Gemisch aus verschiedenen nachwachsenden Rohstoffen.
Bei den von mir getesteten Erden waren folgende Bestandteile aufgelistet:
- Kompost – liefert Nährstoffe, fördert das Bodenleben, verbessert die Struktur
- Holzfasern & Rindenhumus – sorgen für gute Durchlüftung und Drainage
- Kokosfasern – guter Wasserspeicher, gute Durchlüftung, Problem: langer Transportweg
Weitere Inhaltsstoffe, die in troffreien Erden enthalten sein können:
- Perlite oder Blähton – verbessern die Struktur und verhindern Staunässe
- Mineralische Zuschläge – Sand, Bentonit oder Lava für Stabilität und Wasserregulation
Meine Erfahrungen mit verschiedenen Produkten
Testberichte im Internet haben mir bei der Produktwahl kaum weitergeholfen. Viele der sehr gut bewerteten Erden waren in den Gartenmärkten meiner Umgebung schlicht nicht erhältlich, und auf den Versandhandel wollte ich verzichten. Ich entschied mich daher, einfach die vor Ort verfügbaren Produkte auszuprobieren. (Werbung ohne Gegenleistung)
Die NeudoHum-Erde von Neudorff zeichnet sich durch eine gute Wasseraufnahme und- speicherung aus. Die Struktur der Hochbeeterde ist etwas gröber als die der Pflanzerde. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht zwischen den beiden Produkten keinen wesentlichen Unterschied. Auch die Inhaltsangaben sind in beiden Fällen identisch. Der Preis für die Pflanzerde lag bei 40 ct/l, der für die Hochbeeeterde bei 27 ct/l.
Hochbeeterde von Kleeschulte fiel durch eine deutlich gröbere Struktur auf – was sich spürbar negativ auf Wasseraufnahme und ‑speicherung auswirkte.
Compo Bio Universalerde hat eine sehr feine Struktur und zeigt entsprechend gute Wasseraufnahmeeigenschaften. Der angegebene pH-Bereich von 5–7,5 ist recht weit gefasst, was für torffreie Erden jedoch typisch ist, da ihr pH-Wert stärker schwankt. Im Öko-Test 2025 wurde das Produkt mit „gut” bewertet. Preis: 29 ct/l.
Für die Gemüsekultur sind diese Erden gut geeignet. Für Moorbeetpflanzen wie Rhododendron, Azaleen oder Heidelbeeren, die einen dauerhaft niedrigen pH-Wert benötigen, sind sie ohne Zusätze allerdings ungeeignet. Eine Ansäuerung lässt sich mit Moorbeetpflanzen-Dünger, elementarem Schwefel oder Kaffeesatz erreichen.
Meine Empfehlung: Einfach die im nächsten Gartenmarkt erhältlichen torffreien Erden kaufen und selbst ausprobieren. Dabei unbedingt auf die Deklaration achten: Torfreduzierte Erden können bis zu 50 % Torf enthalten – und auch die Bezeichnung „Bio” sagt nichts über den Torfgehalt aus.
Hochbeete auffüllen mit Kompost und torffreien Erden
Zu Beginn des Jahres habe ich meine Hoch- und Frühbeete aufgefüllt. Auf die bestehenden Erdschichten kam zunächst eine Schicht von etwa 30 l gut abgelagertem Kompost aus eigener Produktion. Danach habe ich die gleiche Menge Hochbeeterde dazu gegeben. Meine Hochbeete sind seit vier Jahren in Betrieb und wurden bisher nur von oben aufgefüllt, ohne vollständige Erneuerung – mit nach wie vor guten Erträgen.
Inzwischen kompostiere ich nahezu alles organische Material aus Haus und Garten – und dadurch standen mir im Frühjahr rund 300 Liter selbst hergestellten Komposts zur Verfügung. Zukaufen muss ich nichts mehr.
Gießen und Düngen: Worauf man achten muss
An der Oberfläche trocknen torffreie Erden schnell ab. Schiebt man die oberste Schicht etwas beiseite, ist die darunter liegende Erde oft noch ausreichend feucht.
Hier hilft der Finger-Test: Einen Finger tief in die Erde stecken. Fühlt sich die Erde in der Tiefe trocken an, ist es Zeit zum Bewässern. Ansonsten kann man geduldig abwarten.
Grundsätzlich macht sich beim Gießen der fehlende Torf bemerkbar: Torf ist ein hervorragender Wasserspeicher. Beete mit torffreien Erden müssen deshalb häufiger und intensiver bewässert werden.
Dasselbe gilt für Nährstoffe: Da torffreie Erde diese weniger gut speichert, werden sie schneller ausgewaschen. Durch eine gute Kompostschicht und nährstoffreiche Hochbeeterde sind die Pflanzen zunächst gut versorgt, doch nach 3–5 Wochen empfiehlt sich eine erste Nachdüngung. Ich verwende dafür organischen Dünger in Form von Pferde- oder Kuhmistpellets sowie Hornspäne.
Torffreie Erden selbst ansetzen?
Im Internet habe ich verschiedene Anleitungen zum Ansetzen von torffreier Erde gefunden. Für mich kommt das nicht in Frage. Hier zwei Beispiele:
Gartenerde 55 %
Kompost 35 %
Lehm 10 %
Urgesteinsmehl und Hornspäne
5 Liter reifen Gartenkompost oder Biokompost
3 Liter Holzfasern oder Rindenhumus
1 Liter Perlite oder feinen Blähton
1 Liter Sand
eine Handvoll Hornspäne zur initialen Düngung
Gartenerde ist in meinem Garten ein kostbares Gut. Auf unserem Sandboden ist die Schicht mit Mutterboden nur sehr dünn. Wenn ich nach dem ersten Rezept größere Mengen Erde produzieren wollte, müsste ich auf einer breiten Fläche den Mutterboden abtragen. Beim zweiten Rezept wäre ich bei mehreren Bestandteile auf Produkte aus dem Gartenmarkt angewiesen und darin sehe ich keinen Vorteil.
Fazit:
Aus ökologischer Sicht sollte der Verzicht auf Torf im privaten Garten selbstverständlich sein. Wer die Besonderheiten torffreier Erden kennt und berücksichtigt, erzielt damit ebenso gute Ergebnisse wie mit torfhaltigen Produkten. Der Schlüssel liegt in konsequenter Bewässerung und regelmäßiger Nährstoffversorgung – dann steht einer guten Ernte auch ohne Torf nichts im Weg.
Weitere Informationen:

Der BUND gibt regelmäßig eine Liste mit torffreien Erden heraus. Hier kann man nachsehen, in welchem Gartenmarkt welche Produkte angeboten werden. Hinweise zur Qualität der Erden umfasst dieser Einkaufsführer allerdings nicht.
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Titelbild: SimoneVomFeld from Pixabay

















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